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Literarische Bäder oder was sie sonst noch über Bäder wissen sollten

Erich Kästner | Joachim Ringelnatz | Wilhelm Busch

Erich Kästner
Monolog in der Badewanne


Da liegt man nun, So nackt, wie man nur kann, hat Seife in den Augen, welche stört, und merkt, aufs Haar genau: Man ist ein Mann. Mit allem, was dazugehört. Es scheint, die jungen Mädchen haben recht, wenn sie - bevor sie die Gewohnheit packt – der Meinung sind, das männliche Geschlecht sei kaum im Hemd erträglich. Und gar nackt! Glücklicherweise steht's in ihrer Hand, das, was sie stört, erfolgreich zu verstecken. So früh am Tag, und schon soviel Verstand! Genug, mein Herr! Es gilt, sich auszustrecken. Da liegt man, ohne Portemonnaie und Hemd und hat am ganzen Leibe keine Taschen. Ganz ohne Anzug wird der Mensch sich fremd... Da träumt man nun, anstatt den Hals zu waschen. Der nackte Mensch kennt keine Klassenfrage. Man könnte, falls man Tinte hätte, schreiben: "Ich kündige. Auf meine alten Tage will ich in meiner Badewanne bleiben". Da klingelt es. Das ist die Morgenzeitung. Und weil man nicht, was nach dem Tod kommt, kennt, schreibt man am besten in sein Testament: "Legt mir ins kühle Grab Warmwasserleitung!"

Wer von uns kennt nicht "Emil und die Detektive" oder "Das fliegende Klassenzimmer"? Doch Erich Kästner (1899-1974) hat nicht nur wunderbare Kinderbücher geschrieben. Uns Erwachsene beeindruckt er in starkem Maße durch seine autobiographischen Elemente und seine scharfsinnige Beobachtungsgabe, auch in seinen zahlreichen Gedichten zu finden sind. In dem Gedichtband "Gesammelte Schriften für Erwachsene" überzeugt er vor allem durch eine gelungene Mischung verschiedener Themen in einer nüchternen und dennoch erfrischenden Sprache. Das obige Gedicht wurde der Gesamtausgabe von E. Kästner, erschienen im KNAUR-Verlag, entnommen.

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Joachim Ringelnatz
Mein Wannenbad


Es muss wieder mal sein. Also: Ich steige hinein In zirka zwei Kubikmeter See. Bis übern auch tut es weh. Das Hähnchen plätschert in schamlosem Ton, Ich atme und schnupfe den Fichtenozon, Beobachte, wie die Strömung läuft, Wie dann clam, langsam mein Schwamm sich besäuft. Und ich ersäufe, um allen Dürsten Gerecht zu werden, verschiedene Bürsten. Ich seife, schrubbe, ich spüle froh. Ich suche auf Ausguck Vergebens nach einem ertrinkenden Floh, Doch fort ist der Hausjuck. Ich lehne mich weit und tief zurück, Genieße schaukelndes Möwenglück. Da taucht aus der blinkenden Fläche, wie Eine obinsoninsel, plötzlich ein Knie; Dann - massig - mein Bauch - eines Walfisches Speck. Und nun auf Wellen (nach meinem Belieben Herangezogen, davongetrieben), Als Wogenschaum spielt mein eigenster Dreck. Und da auf dem Gipfel neptunischer Lust, Klebt sich der Waschlappen mir an die Brust. Brust, Wanne und Wände möchten zerspringen, Denn ich beginne nun, dröhnend zu singen Die aller schwersten Opernkaliber. Das Thermometer steigt über Fieber, Das Feuer braust, und der Ofen glüht, Aber ich bin schon So abgebrüht, Daß mich gelegentlich Explosionen – Wenn's an mir vorbeigeht -- Erfreun, weil manchmal dabei was entzweigeht, Was Leute betrifft, die unter mir wohnen. Ich lasse an verschiedenen Stellen Nach meinem Wunsch flinke Bläschen entquellen, Erhebe mich mannhaft ins Duschengebraus. Ich bück mich. Der Stöpsel rülpst sich hinaus, Und während die Fluten sich gurgelnd verschlürfen, Spannt mich das Bewußtsein wie himmlischer Zauber, Mich überall heute zeigen zu dürfen, Denn ich bin sauber.

Joachim Ringelnatz steht in der deutschen Literaturgeschichte einmalig da und ist deshalb in ihr kaum einzuordnen. Hans Bötticher, wie Ringelnatz mit bürgerlicher Namen hieß, war Seemann, im
1. Weltkrieg, Kommandant eines Minensuchbootes und er war der Poet des Menschlich - Allzumenschlichen, im Stil mal derb, mal still und oft von unglaublicher Zartheit und Liebenswürdigkeit. Ein Traumbad - Use hat uns das Badewannengedicht schlechthin zugesandt, entnommen der Ausgabe "Sämtliche Gedichte", erschienen 1997 im Diogenes-Verlag.

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Wilhelm Busch
Das Bad

 

 

 

 

 

 

 

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